Dia-Vortrag

 

 

 

 

von

 

Dr.rer.pol. Claus-Peter Meyer

 

 

 

 

 

Das Geld-, Bank- und Währungswesen
im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika

 

 

 

 

 

 

 

Vortrag

 

von Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Kaufmann, Dr.rer.pol. Claus-Peter Meyer, Aachen:

 

Das Geld-, Bank- und Währungswesen im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika

 

Meine Damen und Herren,

 

ich freue mich, dass ich hier die Gelegenheit habe einen Vortrag zu halten.

 

In der mit zur Verfügung stehenden Zeit, kann ich natürlich nur auf einige Aspekte eingehen und möchte mich vor allem auf den Zeitraum von 1884 bis 1914, also der deutschen Kolonialepoche in Deutsch-Ostafrika beschränken.

 

In Deutsch-Ostafrika trafen zwei unterschiedliche Währungssysteme zu­sammen, deren Grundlagen bereits vor Beginn der deutschen Kolonialzeit festgelegt waren.

 

Das Deutsche Reich hatte als "Mutterland" eine Goldwährung mit der Währungseinheit "Mark". Basis des ostafrikanischen Geld- und Währungswesens war aber zunächst die Silberwährung Britisch-Indiens mit der Währungseinheit "Rupie".

 

Deutsch-Ostafrika stellt das geldgeschichtlich interessanteste Schutzgebiet unter den kolonialen Erwerbungen des Deutschen Reiches dar. Hier fand man ein Geldwesen vor, welches eine relativ hohe Kultur erreicht hatte und auch eine Münzgeschichte aufweisen konnte, die sich über ein Jahrtausend nachvollziehen lässt.

 

Die Entwicklung der Geldgeschichte in Deutsch-Ostafrika lässt sich in drei Hauptperioden unterteilen.

 

Die 1. Epoche umfasst die vorkoloniale Zeit sowie den Beginn der deutschen Schutzherrschaft  ab 1884.

 

 

Das Geldwesen in Ostafrika vor der deutschen Kolonialzeit

 

Schon im Altertum wurde die Küste des ehemaligen deutschen Schutzgebiets von Seefahrern berührt. Im 10. Jahrhundert gründeten persische Händler die Küstenstadt Kilwa Kissiwani und damit den bedeutendsten Hafen der ostafrikanischen Küste. Am Ende des 12. Jahrhunderts entwickelten sich auch Handelsbeziehungen mit Indien und China.

 

Hier:        Folie Ostafrika im 15. Jahrhundert

 

Die Portugiesen eroberten Anfang des 16. Jahrhunderts Kilwa, so dass auch die von der portugiesischen Kolonialverwaltung geprägten Kupfer- und Silbermünzen im ostafrikanischen Küstenbereich umliefen. Um 1700 begannen die Araber von Oman die ostafrikanische Küste zu erobern und 1832 fiel auch die Insel Sansibar in ihre Hand.  Die dort hergestellten Bronzemünzen spielten an der späteren deutsch-ostafrikanischen Küste ebenfalls eine bedeutende Rolle.

 

Noch während der deutschen Kolonialzeit wurden reiche Münzfunde am Strand von Kilwa Kissiwani gemacht. Tausende von arabischen, indischen und chinesischen Münzen wurden beim Duchsieben des Sandes aufgefunden.

 

In den Jahren von 1800 bis 1844 weitete sich der Sansibarhandel immer weiter aus. Sansibar wurde zum Haupthandelsplatz Ostafrikas, während die Küstenhäfen an Bedeutung verloren, was natürlich auch Auswirkungen auf die Entwicklung der ostafrikanischen Münz- und Geldgeschichte hatte.

 

Hier:        Folie Ostafrika um 1875

 

Ein neues Geldstück, das eine sehr große Verbreitung finden sollte, kam am Ende des 18. Jahrhunderts auf. Über Sansibar wurde der Maria-Theresia-Taler durch arabische Kaufleute auch in Ostafrika in Umlauf gebracht. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stellte der „schwarze Taler“ die Grundlage des Geldwesens in Ostafrika dar. Es herrschte eine Vielfalt an umlaufenden Münzen, die in immer wieder wechselndem Wertverhältnis zueinander standen.

 

Hier:        Dia Maria-Theresia-Taler (Vorder- und Rückseite)

 

Mit Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts expandierten die alten Handelsbeziehungen zu Indien wieder stärker. Die britisch-ostindische Silberrupie kam somit in immer größerer Anzahl nach Sansibar und an die Ostküste Afrikas. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die indischen Kupferpesa, welche als Scheidemünzen hier schon lange im Umlauf waren.

 

Ein weiteres Zahlungsmittel bildete in den Anfangsjahren der deutschen Kolonialherrschaft noch die Kaurischnecke. In Teilen des Schutzgebiets war sie, neben dem immer stärker zurückgehenden Tauschhandel, das Zahlungsmittel der einheimischen Bevölkerung. Sie wurde aber durch den zunehmenden Geldverkehr immer mehr verdrängt und kam aus dem Gebrauch.

 

Hier:        Dia Kaurischnecken und

                 Folie Kurswert einer indischen Rupie in Kauris

 

Da die Kauris einen bestimmten, allgemeinen Tauschwert besaßen, stellten sie ein Symbol des Wohlstandes dar. Der Kurs der Kauris sank aber im Verhältnis zum Münzgeld ständig.

 

 

 

 

 

Die Übergangsphase vor Einführung der Gesell­schaftsrupie in Deutsch-Ostafrika (1884-1890)

 

Kennzeichen der deutschen Schutzherrschaft jener ersten Jahre war, dass von keiner Seite Einfluss auf das vorgefundene Münz- und Geldwesen ge­nommen wurde. Weder die mit der Verwaltung des Schutzgebiets beauf­tragte DOAG, noch die Reichsregierung versuchten in dieser Anfangs­phase, das Währungssystem zu verändern.

 

Zum Zeitpunkt der deutschen Kolonialexpansion Mitte der achtziger Jahre herrschten in Ostafrika folgende Geldverhältnisse vor:

 

Die offizielle Rechnungseinheit war der amerikanische Golddollar. Als Kurrantgeld liefen Maria-Theresia-Taler, französische 5-Franken Stücke, portugiesische und indische Rupien um, wobei 100 Rupien einem Wert von 47 Dollar entsprachen.

 

Als Scheidemünzen dienten sansibarische und indische Pesa-Stücke aus Kupfer, silberne 1/4- und 1/8-Rupie-Münzen aus Indien und zerhackte französische 5-Franken-Stücke.

 

An der Küste Ostafrikas herrschte bereits der Geldverkehr vor, als die DOAG ihre Tätigkeit im Jahre 1885 aufnahm. Der Maria-Theresia-Taler hatte seine führende Rolle an die indische Rupie verloren, blieb aber bis 1890 noch ein beliebtes Zahlungsmittel. Von den deutschen Kaufleuten wurde er mit einem Wert von 3 Mark berechnet.

 

Die Niederlassung der DOAG in Tanga verwendete für ihre Geschäftstätigkeit ausschließlich Bargeld in Form von Kupfer- und Silbermünzen überwiegend indischer Herkunft. Bis 1890 hatte sich auch in der gesamten Umgebung dieser Hafenstadt die Entwicklung vom Tauschhandel zum gemünzten Geld vollzogen. Das Münzgeld drang sogar bis hinauf in das Bergland von Usambara vor, wobei vor allem Silbermünzen bei der einheimischen Bevölkerung besonders beliebt waren.

 

Hier:        Dia Indische Rupie-Münzen (Vorder- und Rückseite)

 

Aufgrund dieser Entwicklungen entstanden Überlegungen, die Geldverhältnisse in Deutsch-Ostafrika zu ordnen. Sie sollten nach Möglichkeit an die im Deutschen Reich herrschende Währung angepasst werden. Daher befragte im Jahre 1886 das Auswärtige Amt die am Ostafrika-Handel beteiligten Firmen. Hiermit sollte vor allem die Zweckmäßigkeit einer Einführung der deutschen Reichswährung über­prüft werden. Einhellig sprachen die Firmenvertreter sich dafür aus, es bei dem bestehenden Münzsystem zu belassen. Man plädierte dafür, bei einer Prägung eigener Münzen, diese Zahlungsmittel den in Ostafrika üblichen Nominalen des indischen Geldsystems anzupassen.

 

Hier:        Dia Indisches Münzsystem (Vorder- und Rückseite) und

                 Folie Technische Daten der britisch-indischen Silbermünzen

 

Durch eine gewaltsame Veränderung des Geldsystems, so befürchtete man, würden die bestehenden engen wirtschaftlichen Verbindungen zu Indien gefährdet und der Handelsverkehr zum Erliegen kommen. Außerdem hielt man die Entwicklung des Handels in Deutsch-Ostafrika noch nicht für genügend ausgereift, um die Einführung eines neuen Münzsystems zu rechtfertigen.

 

Aus diesen Gründen entschied man sich seitens der Reichsregierung da­für, die indische Rupiewährung erst einmal im vollen Umfang beizubehal­ten. Die Diskussion über eine Einführung der Reichswährung war damit aber noch lange nicht abgeschlossen.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, das es in den Jahren von 1884 bis 1890 noch kein eigenes wirtschaftlich und rechtlich gesichertes Landesgeld in Deutsch-Ostafrika gab.

 

Im Gegenteil: Bedingt durch den Handel mit den Nachbarstaaten wurden zahlreiche fremde Geldsorten eingeführt, wobei die indische Rupie die Rolle der Leitwährung einnahm.

 

Hier:        Dia Mombasa-Rupie (Vorder- und Rückseite)

 

Hier:        Dia Portugiesisch-Indische-Rupie (Vorder- und Rückseite)

 

 

Im Vordergrund der 2. Epoche steht die Rupie der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (1890-1903/04)

 

Zu Beginn der zweiten Epoche wurde der DOAG durch zwei Verordnungen (5. Januar und 14. März 1890) des Auswärtigen Amtes die Ausprägung von Kupferpesa und Silberrupien er­laubt. Entsprechend der kaiserlichen Verordnung (vom 14. April 1890) mussten diese Münzen auf Kosten der Gesellschaft in der Reichsmünzstätte Berlin hergestellt werden. Jede weitere Münzprägung musste von der DOAG dem Auswärtigen Amt angezeigt werden und bedurfte der Zustimmung der Reichsregierung. Die DOAG hatte somit kein uneingeschränk­tes Münzregal oder eine Münzhoheit, sondern lediglich eine Prägebefugnis für Kupfer- und Silbermünzen, die einer Kontrolle und Reglementierung durch das Reich unterlag. Die Gesellschaft konnte aus diesem "Herstellungsrecht" aller­dings einen Münzgewinn erzielen, der sich aus der Differenz zwischen den Herstellungskosten und dem Nennwert der Münzen ergab.

 

Durch den Vertrag vom 20. November 1890 beschränkte die Reichsregierung nicht nur die Zahlungskraft der Gesellschaftsmünzen sondern auch ihren Geltungsbereich. Sie behielt sich das Recht vor, ein­schneidende Bestimmungen über das Münzwesen in Deutsch-Ostafrika zu treffen.

 

In diesem Schutzgebiet war somit einer privaten Kolonialgesellschaft die Münzprägung überlassen worden. Weitere gesetzliche Regelungen fehlten völlig, und die DOAG übernahm auch keine Verpflichtung zur Einlösung ihrer Gesellschaftsmünzen.

 

Die von der Gesellschaft aufgrund des Prägerechtes ausgege­benen Münzen bildeten eine Ergänzung der bis zu diesem Zeitpunkt umlaufen­den Münzsorten. Die Gesellschaftsrupien stellten dabei den bei weitem geringeren Anteil am Geldumlauf dar.

 

Die DOAG erwies sich auf Dauer als politisch und finanziell zu schwach, um die vielfältigen Aufgaben der Verwaltung ei­nes so großen Gebietes (993.500 qkm) zu erfüllen.

 

Hier:        Dia Karte von Deutsch-Ostafrika 1885

 

Deshalb trat sie mit Wirkung zum 1. Januar 1891 die direkte Verwaltung des Schutzgebietes an das Deutsche Reich ab und war damit nur noch eine private Erwerbsgesellschaft.

 

Da es aber noch keine festgelegte Kursrelation zwischen Rupie und Mark gab, wurde monatlich ein Gouvernementkurs der Rupie festgelegt. Er gab den Durchschnittskurs wieder, zu dem sich das Gouvernement mit den jeweils benötigten Barmitteln in Rupien eindeckte.

 

Der Gouvernementkurs wurde von 1891 bis 1903 ermittelt und schwankte in diesem Zeitraum zwischen 1,48 Mark und 1,06 Mark für eine Rupie.

 

Hier:        Folie Gouvernementkurse der Rupie in DOA von 1891 bis 1903

 

Erst die Fixierung einer konstanten Parität zwischen Rupie und Mark durch die Neuordnung des deutsch-ostafrikanischen Münzwesens im Jahre 1904 machte die aufwendige monatliche Berechnung des Gouverne­mentkurses überflüssig.

 

Mit der Ausgabe eigener Münzen durch die DOAG stellte sich wiederum die Frage nach einer Regelung des Münz- und Geldwesens für das ostafri­kanische Schutzgebiet.

 

So bestand die Münzgesetzgebung in den Jahren von 1892 bis 1898 fast ausschließlich aus Verboten der Einfuhr und des Umlaufs von ausländi­schen Münzsorten.

 

Hierdurch sollte die Überschwemmung des Schutzgebietes mit diesen Münzen verhindert und die Verbreitung der Gesellschaftsmünzen erleich­tert werden.

 

Die Gesellschaftsrupien entsprachen einer Art Landesmünze für Deutsch-Ostafrika. Ihr Umlauf beschränkte sich zunächst auf die Küste der Kolonie und das Usambara-Gebiet. Nachdem die einheimische Bevölkerung das anfängliche Misstrauen ge­gen die neuen Münzen über­wunden und ihren Metallwert akzep­tiert hatte, fanden die Münzen mit der Zeit auch den Weg ins Landesinnere.

 

Als Vorbild für die deutschen Prägungen dienten die indi­schen Silberrupien und Kupferpesa, die seit zwei Jahrzehnten im ostafrikani­schen Raum das Hauptzahlungsmittel darstellten. In der Ausführung soll­ten sie aber so gestaltet werden, dass sie als eigene Münzen der Gesellschaft erkennbar waren.

 

Hier:        Dia Kupferpesa der DOAG (Vorder- und Rückseite)

 

Die Kupfermünzen (Pesa) tragen auf der Vorderseite in ara­bischer Schrift den Text "Gesellschaft Deutschlands" und die mohammedanische Jahreszahl in arabischen Zahlzeichen. Die Rückseite zeigt den Reichsadler und die deutsche Beschriftung "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft" mit deutschen Jahreszahlen. Die Pesa wurden aus reinem Kupfer geprägt, d.h. ihre Legierung enthält 1000 Anteile Kupfer.

 

Hier:        Dia Silberrupien der DOAG (Vorder- und Rückseite)

 

Die Silbermünzen (Rupie) zeigen auf der Vorderseite die Büste des Kaisers Wilhelm II. in der Uniform der Garde du Corps mit der lateini­schen Umschrift (Gijelmus) "Guilelmus II - Imperator". Auf der Rückseite ist das Wappen der DOAG, ein schreitender Löwe unter einer Kokospalme, und die Jahreszahl abgebildet. Die Umschrift lautet "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft" mit einer entsprechenden "Wertangabe".

 

Die DOAG ließ Silberstücke zu 2 Rupien, 1 Rupie, 1/2 Rupie und 1/4 Rupie ausprägen. Diese Gesellschaftsmünzen haben eine Legierung von 916,6 Anteilen Silber und 83,4 Anteilen Kupfer. Die Stücke entsprechen in Größe, Gewicht und Feinheit den indischen Nominalen.

 

Hier:        Folie Technische Daten der Gesellschaftsmünzen von 1890 bis 1902

 

Die Kupferpesa der DOAG setzten sich schnell durch und ver­drängten die fremden Scheidemünzen, deren Umlauf verboten wurde. Beim Silber machten die Gesellschaftsmünzen nur den kleineren Teil des Geldumlaufs aus. Weiterhin liefen auch britisch-indische Gepräge und zu 1-, 1/2-, 1/4- und 1/8-Rupie, sowie in geringen Mengen noch portugiesische Rupien um. Sie bildeten mit den deutschen Münzen eine Umlaufsgemeinschaft und waren auch zur Aufrechterhaltung des expandierenden Zahlungsverkehrs notwendig.

 

Insgesamt  wurden von der DOAG in den Jahren 1890 bis 1902 41,09 Mio. Kupferpesa im Werte von 0,64 Mio. Rupien ausgegeben. Im gleichen Zeitraum wurden 3,27 Mio. Stück an Silberrupien im Nominalwert von 2,75 Mio. Rupien in Umlauf gebracht. Damit ergibt sich ein Gesamtwert der Gesellschaftsmünzen von 3,39 Mio. Rupien (= 4,5 Mio. Mark).

 

Hier:        Folien Prägezahlen der Gesellschaftsmünzen

 

Trotzdem kam es immer wieder zwischen Reichsregierung, Schutzgebietsverwaltung und Kolonialgesellschaft zu Auseinander­setzungen über das Währungssystem in Deutsch-Ostafrika.

 

Schließlich verzichtete die DOAG gegen eine besondere Entschädigung (Vertrag vom 15. November 1902) auf ihr Sonderrecht der Münzprägung. Ab 1. April 1903 hatte das Deutsche Reich endlich das Recht zur Gestaltung und Ordnung des deutsch-ostafrikanischen Münzwesens erhal­ten. Die Auseinandersetzungen über das Währungssystem endeten damit aber noch längst nicht.

 

 

Die 3. Epoche umfasst die Periode der Reichsrupie (1904-1925)

 

Mit der Übernahme des Münzrechtes durch das Deutsche Reich bot sich die Gelegenheit, eine Neuordnung des Münzwesens Deutsch-Ostafrikas vorzunehmen.

 

Trotz der Möglichkeit nun die Währungsverhältnisse zu ver­ändern, ent­schloss sich die Reichsregierung nach langwieri­gen Diskussionen zur Beibehaltung der Rupiewährung.

 

Eine Neuordnung des Münzwesens wurde aber in zwei entscheidenden Bereichen vorgenommen:

 

Ab 1. Mai 1904 wurde ein amtliches Verhältnis zwischen Rupie und Mark mit 1 Rupie = 1,33 Mark festlegt (Bekanntmachung vom 18. April 1904).

 

Gleichzeitig wurden auch die Reichsgoldmünzen von allen öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen. Der Kurs der Goldmünzen wurde entsprechend mit 20 Mark = 15 Rupien und 10 Mark = 7,5 Rupien festgelegt. Auch für die britischen Goldmünzen wurde ein festes Wertverhältnis zur Reichsrupie bestimmt, das weder bei Zahlungen noch Inzahlungnahmen überschritten werden durfte. Sie erhielten einen fakultativen Kassenkurs von:

 

                  1 Pfund Sterling = 15 Rupien = 20 Mark

bzw.         ½ Pfund Sterling = 7,5 Rupien = 10 Mark

 

Hier:        Dia Britischer Sovereign 1918 aus Bombay (Vorder- und Rückseite)

 

Ab 1. April 1905 wurde die Rupie nach dem Dezimalsystem in 100 Heller unterteilt (Verordnung vom 28. Februar 1904).

 

Als Vorbild hierfür diente die schon seit längerer Zeit auf Ceylon bestehende Einteilung der Rupie in 100 Cents. Die neue Einteilung der Reichsrupie bot auch Vorteile im Zusammenhang mit der ebenfalls nach dem Dezimalsystem aufgebauten Reichswährung.

 

Der weitere Ausbau des deutsch-ostafrikanischen Münzsystems erfolgte Zug um Zug.

 

Die ab 1904 neu ausgeprägten Reichsrupien waren in Deutsch-Ostafrika ebenso wie die Gesellschaftsrupien eine Landesmünze.

 

Hier:        Dia Reichsrupien (Vorder- und Rückseite)

 

Die Vorderseite der Silbermünzen (Rupie) entspricht in ih­rer Gestaltung den Prägungen der DOAG. Auf der Rückseite ist die Wertangabe, die Jahreszahl und das Münzzeichen ab­gebildet. Diese Angaben sind umge­ben von einer aus Palmwedeln bestehenden Verzierung. Die Umschrift lautet "Deutsch-Ostafrika". Es wurden Silberstücke zu 1 Rupie, 1/2 Rupie und 1/4 Rupie ausgeprägt. Die ursprünglich geplanten 2-Rupien-Stücke wurden nicht mehr hergestellt. Die Reichsrupien haben die gleiche Legierung wie die Rupiestücke der DOAG.

 

Hier:        Folie Technische Daten der Regierungsmünzen von 1904 bis 1914

 

Neu ausgeprägt wurden Nickelmünzen (Heller) zu 5 und 10 Heller mit ei­nem zentralen Loch.

 

Hier:        Dia Nickelmünzen (Vorder- und Rückseite)

 

Auf der Vorderseite ist die Wertangabe, eine Verzierung aus zwei Lorbeerzweigen und das Münzzeichen dargestellt. Die Rückseite trägt als Hoheitszeichen die Kaiserkrone, die Jahreszahl und die Aufschrift "Deutsch-Ostafrika". Die aus­geprägten Kupfer-Nickel-Stücke haben eine Legierung von 750 Anteilen Kupfer und 250 Anteilen Nickel.

 

Die alten Kupferpesa wurden nun systematisch eingezogen, einge­schmolzen und zur Ausprägung der neuen Kupfermünzen (Heller) verwendet.

 

Hier:        Dia Kupferheller (Vorder- und Rückseite)

 

Diese zeigen auf der Vorderseite die Wertangabe und das Münzzeichen in einer aus zwei Lorbeerzweigen gebildeten Verzierung. Auf der Rückseite ist die Kaiserkrone, umgeben von der Beschriftung "Deutsch-Ostafrika" und die Jahreszahl abgebildet. Ausgeprägt wurden Münzen zu 1/2 Heller, 1 Heller und 5 Heller, die aus einer Legierung von 950 Anteilen Kupfer, 40 Anteilen Zinn und 10 Anteilen Zink be­stehen.

 

Mit der Einführung des neuen Münzsystems war die Herstellung großer Münzmengen erforderlich. Die Ausprägung der unterschiedlichen Nominale erfolgte je nach Bedarf des Zahlungsverkehrs. Aufgrund der von der Schutzgebietsverwaltung nach Berlin übersandten Bedarfsmeldungen vergab die Kolonialabteilung entsprechende Prägeaufträge. Die Regierungsmünzen wurden von 1904 bis 1914 in den Münzstätten Berlin und Hamburg hergestellt.

 

Insgesamt wurden von der Regierung in diesen Jahren an Silbermünzen 17,47 Mio. Stück im Wert von 14,1 Mio. Rupien verausgabt. Von den Nickelmünzen wurden 6,2 Mio. Stück im Wert von 0,47 Mio. Rupien in Umlauf gebracht. Die während dieses Zeitraums erfolgte Ausgabe von 0,11 Mio. Stück Kupfermünzen entsprach einem Wert von 1,08 Mio. Rupien. Damit ergibt sich ein Gesamtwert der Regierungsmünzen von 15,68 Mio. Rupien (= 20,85 Mio. Mark).

 

Hier:        Folien Prägezahlen der Regierungsmünzen

 

Der Geldumlauf in Deutsch-Ostafrika bestand aber weiterhin noch aus ei­ner gemeinsamen Zirkulation von Reichs- und Gesellschaftsrupien. Teilweise liefen im Hinterland auch noch indische Silberrupien um, die jedoch offiziell kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr darstellten. Aufgrund der primitiven Verwaltungsverhältnisse konnten Sie aber nicht vollständig und systematisch eingezogen werden.

 

Ergänzend ist noch anzumerken, dass die Unterwertigkeit der für die Rechnung des Schutzgebietes ausgeprägten Landesmünzen einen beträchtlichen Münzgewinn ergab, der aus der Differenz zwischen den Herstellungskosten und dem Nominalwert der verausgabten Münzen resultierte. Vor allem in den ersten Jahren waren die Einnahmen aus der Münzprägung sehr hoch, da die Regierung größere Mengen der neuen Münzen herstellen ließ.

 

Hier:        Folie Einnahmen aus der Münzprägung 1904-1914

 

Insgesamt wurde zwischen 1904 bis 1914 ein Münzgewinn von 14,16 Mio. Mark erzielt. Angesichts dieser Einkünfte war es durchaus verständlich, dass die Gouvernementverwaltung nicht daran interessiert war, die Rupie durch die Markwährung zu ersetzen.

 

 

Nun möchte ich noch ergänzend auf die "Deutsch-Ostafrikanische Bank" als Notenbank eingehen.

 

Mit der Errichtung eines Bankinstitutes als Notenbank für Deutsch-Ostafrika erfolgte ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Geld- und Währungswesens in diesem Schutzgebiet. Der Beginn eines eigenständi­gen Bankwesens und die Ausgabe von Papiergeld bildete eine notwendige Ergänzung des Geldumlaufs und den Schlusspunkt der Neuordnung des ostafrikanischen Geldwesens.

 

Am 6. Januar 1905 erfolgte in Berlin die Gründung der Bank als Kolonialgesellschaft mit dem Firmennamen "Deutsch-Ostafrikanische Bank". Ihren Sitz und Gerichtsstand hatte die Bank in Berlin.

 

Zum Gründungs-Syndikat der DOA-Bank gehörte bezeichnenderweise vor allem die DOAG, die mit 2.800 Anteilen 70 Prozent des Grundkapitals (2 Mio. Mark = 1,5 Mio. Rupien) in ihren Händen hielt und damit Hauptgesellschafter dieser neuen Bank war.

 

Hier:        Dia Deutsch-Ostafrikanische Bank in Dar-es-Salam

 

Am 23. Juni 1905 nahm die DOA-Bank im Schutzgebiet ihre Tätigkeit auf. Zunächst unterhielt sie nur in Dar-es-Salam eine Niederlassung mit der Hauptkasse. Die Bank war aber berechtigt, weitere Agenturen innerhalb von Deutsch-Ostafrika zu errichten.

 

Ihre Geschäftstätigkeit umfasste in Anlehnung an die Funktionen der Reichsbank, die Ausgabe von Banknoten als Ergänzung des Geldumlaufs, die Kontrolle des Geldumlaufs im Schutzgebiet und die Sicherung der Kursstabilität der deutsch-ostafrikanischen Währung.

 

Die Bank war berechtigt, je nach Bedarf des Geldverkehrs, auf Rupien lautende Banknoten bis zum dreifachen Nennbetrag des eingezahlten Grundkapitals auszugeben. Es durften nur Rupie-Noten zu 5, 10, 20, 50, 100 Rupien und einem Vielfachen davon begeben und im Schutzgebiet ausgegeben werden.

 

Im November 1905 begann die Bank mit der Ausgabe der Banknoten. Die 5-Rupien-Noten wurden als erste als Zahlungsmittel für das Schutzgebiet eingeführt. Es folgten 1906 die 50- und 10-Rupien-Noten und 1907 die 100-Rupien-Noten. Mit wachsender Nachfrage nach höheren Zahlungswerten folgte als Ergänzung im Jahre 1912 noch eine Banknote über 500 Rupien.

 

Die Gestaltung der Banknoten wurde nach Entwürfen im Auftrag der DOA-Bank vorgenommen. Bei der Ausführung der Banknoten wurde be­sonderer Wert auf den größtmöglichen Schutz gegen Fälschungen der Noten gelegt. Deshalb bestand die grafische Darstellung der verschie­denen Nominale aus mehrfarbigen, äußerst diffizilen Mustern und (Gijoschen) Guillochengruppierungen.

 

Hier:        Dia 5-Rupien-Note (Vorder- und Rückseite)

 

Auf der Vorderseite der 5-Rupien-Note ist ein Löwenpaar in der ostafri­kanischen Wildnis abgebildet.

 

Hier:        Dia 10-Rupien-Note (Vorder- und Rückseite)

 

Die 10-Rupien-Note zeigt auf der Vorderseite eine Hafenszene an der ostafrikanischen Küste.

 

Hier:        Dia 50-Rupien-Note (Vorder- und Rückseite)

 

Die Vorderseite der 50-Rupien-Note stellt Kaiser Wilhelm II. in der Uniform der Garde du Corps mit Adlerhelm da.

 

Hier:        Dia 100-Rupien-Note (Vorder- und Rückseite)

 

Die gleiche Abbildung befindet sich auch auf der Vorderseite der 100-Rupien-Note.

 

Hier:        Dia 500-Rupien-Note (Vorder- und Rückseite)

 

Die zuletzt ausgegebene 500-Rupien-Note zeigt auf der Vorderseite das Bildnis des Kaisers in Admiralsuniform.

 

Der Nominalwert der jeweiligen Banknote wurde mehrfach sowohl in Worten als auch in Ziffern abgedruckt.

 

Die Banknoten der DOA-Bank verbreiteten sich zunächst nur langsam im Schutzgebiet, und ihr Gebrauch beschränkte sich hauptsächlich auf den Küstenbereich. Im Laufe der Jahre wurden die Banknoten als ein be­quemes Zahlungsmittel in allen größeren Orten der Kolonie angenom­men.

 

Hier:        Dia Deutsch-Ostafrika 1914

 

Allerdings verbreitete sich das Papiergeld bis 1914 nur entlang der beiden Eisenbahnlinien in das Landesinnere, verließ aber kaum ihre nähere Umgebung. Im Hinterland hatte es keine Bedeutung. Dort kursierten vorwiegend die Gutscheine der Kaufleute, der Pflanzer und Plantagengesellschaften.

 

Trotz dieser Einschränkungen nahm der Notenumlauf der DOA-Bank ständig zu. Im Vergleich zum Deutschen Reich blieb er zwar verschwin­dend gering, verzeichnete aber für eine geldwirtschaftlich noch unterent­wickelte Kolonie eine große Steigerung.

 

Die Banknotenemission wurde von der DOA-Bank allerdings mit der gebotenen Vorsicht vorgenommen, um besonders in dieser Hinsicht der Aufgabe als Notenbank zu entsprechen.

 

Immerhin wurden bis 1914 Banknoten im Wert von fast 4,4 Mio. Rupien = 5,8 Mio. Mark ausgegeben.

 

Hier:        Folie Notenumlauf der DOA-Bank 1905-1914

 

 

Die Entwicklung des Geld- und Bankwesens während des Ersten Weltkriegs und bis zur Außerkurssetzung der deutsch-ostafrikanischen Rupie (1923)

 

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte auch seine Auswirkungen auf das Münzsystem in Deutsch-Ostafrika. Wegen der durch den Krieg unterbrochenen Verbindung nach Deutschland entstand eine große Geldknappheit. Diese machte die Herstellung von Münzgeld im Schutzgebiet notwendig. Deshalb wurde im Dezember 1915 in Tabora eine provisorische Münzstätte eingerichtet. Unter primitiven Bedingungen wurden hier im Jahre 1916 Notmünzen zur Ergänzung des Zahlungsverkehrs hergestellt. Zur Ausführung kamen 5-Heller-Münzen aus Messing und 20 Heller-Münzen aus Kupfer und Messing.

 

Für die 5- und 20-Heller-Stücke fertigten indische Goldschmiede nach dem vom einem Gouvernementangestellten vorgelegten Probestempel die erforderlichen Prägestempel. Wegen der primitiven Verhältnisse wurden die kaum gehärteten Stahlstempel schnell abgenutzt und mussten entsprechend häufig neu geschnitten werden (daher die vielen Varianten).

 

Hier:        Dia 5- und 20 Heller-Münzen (Vorder- und Rückseite)

 

Die Vorderseite der Notmünzen zeigt die Wertangabe von Zweigen umgeben und das Münzzeichen „T“ für die Münzstätte Tabora.. Auf der Rückseite ist eine Krone, die Jahreszahl „1916“ und  die Bezeichnung „DOA“ für Deutsch-Ostafrika abgebildet.

 

Das im Besitz des Gouvernements befindliche Gold aus der Kironda-Goldmine von Sekenke wurde ebenfalls zu Notmünzen verarbeitet. Für die goldenen 15-Rupien-Stücke fertigte ein singhalesischer Goldarbeiter aus Sansibar die Stempel, „ der besonders sorgfältig arbeitete, wenn er unter Alkohol stand “ .

 

Die ausgeprägten 15-Rupien-Münzen dienten allerdings kaum dem Zahlungsverkehr, sondern wurden als begehrte Sammlerstücke sofort dem Geldumlauf wieder entzogen. Bei der Besetzung Taboras im September 1916 durch die Belgier haben indische Händler schon 200 Rupien für jedes Stück gezahlt.

 

Hier:        Dia 15-Rupien-Münzen (Vorder- und Rückseite)

 

Auf der Vorderseite ist ein Elefant mit erhobenem Rüssel vor dem Kilimandscharo abgebildet. Die Rückseite zeigt den Reichsadler und die Umschrift „Deutsch-Ostafrika 15 Rupien“ . Die Legierung dieser Münze besteht aus 750 Anteilen Gold, 150-200 Anteilen Silber und 50-100 Anteilen Kupfer.

 

Die Notmünzen wurden gleich nach der Besetzung außer Kurs gesetzt, während die Silberrupien (1923) und die Kupfer- und Nickel-Heller (1925), also erst lange nach dem Krieg ungültig wurden.

 

Mit Beginn des Krieges erfolgte im August 1914 ein großer Ansturm auf die DOA-Bank in Dar-es-Salam. Viele Personen, vor allem Europäer, wechselten die Banknoten in großen Mengen in Silbergeld um, da sie dem Silbergeld eine größere Sicherheit als dem Papiergeld unterstellten. Aus diesem Grund entband der Gouverneur die Bank vorläufig von ihrer Einlösepflicht der 5- und 10-Rupien-Banknoten, um sie zahlungsfähig zu halten. Schließlich wurde auch die Einlösung aller höheren Werte für die Dauer des Krieges überhaupt ausgesetzt.

 

Trotz des seit dem 5. August 1914 bestehenden Kriegszustandes konnte der Bankbetrieb in Dar-es-Salam und später auch in Tabora unter teilweise provisorischen Bedingungen noch vorübergehend aufrechterhalten werden. Im September 1916 wurden beide Niederlassungen nach Besetzung der Plätze durch die britischen bzw. belgischen Truppen geschlossen.

 

Der Umlauf der Banknoten hatte sich während des Krieges durch die Ausgabe von Interimsnoten bedeutend erhöht und belief sich auf ungefähr 22,6 Mio. Rupien. Man bezeichnete diese Noten als Interimsnoten, weil die Schutzgebietsverwaltung nur mit einer kurzen Kriegsdauer rechnete. Ihre Gestaltung konnte allerdings nur primitiv ausfallen, da in der Kolonie weder eine Einrichtung zum Wertpapierdruck noch geeignetes Papier vorhanden war. Die Noten wurden deshalb auf verschiedenartigsten Papiersorten von der Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung GmbH in Dar-es-Salam und Tabora gedruckt.

 

Hier:        Dia 1-, 5- und 10-Rupien-Interimsnote (Vorder- und Rückseite)

 

Nach dem Krieg löste die Bank bei ihrer Zentrale in Berlin die Noten zu „dem festen Kurse der deutschostafrikanischen Rupie von 1,33 1/3 Mark per Rupie ein“. Bis Ende 1922 wurden Banknoten im Werte von insgesamt 3,88 Mio. Rupien zur Einlösung vorgelegt. Im Jahre 1931 erlosch die DOA-Bank als Kolonialgesellschaft endgültig.

 

Sicher gibt es noch eine Reihe interessanter Aspekte zu dieser Thematik, wie beispielweise der Einfluss der DOAG auf das Währungs- und Bankwesen in Deutsch-Ostafrika und die Gründung der Handelsbank für Ostafrika im Jahre 1911, sowie die Diskussionen über das ostafrikanische Geld- und Währungswesen im Reichstag.

 

 

Hiermit endet mein Vortrag und ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich zum Thema des Vortrages ein Buch veröffentlicht habe, welches Sie über den Buchhandel beziehen oder auch direkt bei mir bestellen bzw. kaufen können.